Textproben

Ich schreibe Kurzgeschichten, Kurzprosa, lyrische Texte, Gedichte,

Gestalte Leseabende zu bestimmten (gewünschten) Themen mit Musikbegleitung

(Preis auf Anfrage) 

 

Neben den Veröffentlichungen in Anthologien, Literaturzeitschriften und Lesungen im In- und Ausland erschien 

2004  ein Lyrikband: ...und meine träume schreib ich in den Wind, Verlag Johannes Heyn,                      Klagenfurt, der im Buchhandel oder bei mir zum Preis von € 25,00 käuflich erworben                werden kann. Bei Wunsch bitte um Kontaktaufnahme.

 

derzeit arbeite ich an einem Band mit Kurzgeschichten

 

 

Lyrik aus meinem Buch

den strauß

vergissmeinnicht

hat mir

mein kind gebracht

seine augen strahlten

um die wette

mit dem blau der blüten

hat mein herz

mit freude angefüllt

und eingehüllt

uns beide

in der zärtlichkeit

des augenblicks

gesehen - dich

erfasst, wer du bist

nicht mehr von dir

mich entfernen gewollt.

war's torheit

war's glück

was kümmert's

so lange du weißt

wer ich bin

 

aleppo

 

malvenfarben

am horizont

pinkviolett und rot

straßen

plätze

paläste

sonnenaugen

gold weiß und grün

grellgelb

grauschwarz

schutt

trümmer

gärten verwüstet

abgeerntet

vor der zeit

dort war ich als sie strahlten

granatapfelpink

 

 

ich war vier

als ich den steinernen fischer küsste

ihn mitnahm zum see

wo der lindwurm schäumte

kaum dass ich eintauchte

ins magische blau

ihn mir zur seite hielt ich

den gelbglühenden augen

unter dem tisch mein

stoppelgewehr mutig entgegen

wand mich durch langfingrige schatten

die nachts nach mir griffen und floh

vor dem hund auf die birke

bis mein könig mich abhob

nach dienstschluss

ich war fünf

als ich den steinernen fischer küsste

zum abschied

jetzt stehe ich vor ihm

sehe die schatten am tag

will mich nicht beugen

Miniaturen in prosa

 

Warten

 Lange steht er schon da. über dem Kopf stemmt er das Gefäß. Wasser läuft über die Gestalt entlang über die langen eng gedrehten Locken. Braune Spuren auf Gesicht und Bart. Braune Spuren an Fingern und Armen.

Ein Windstoß sprüht feine Schleier über den Rand des Beckens, über das Wiesenstück hinüber zu den Laternen.

Schwaches Licht entlang des Kieswegs. Hupen, Quietschen, Aufheulen der Motoren, Gebimmel der Straßenbahnen verebben.

Sie hat aufgehört, ihre Runden zu drehen. Tritt von einem Fuß auf den anderen. Manchmal geht sie ein paar Schritte auf und ab, gräbt die Hände in die Manteltaschen. Wasserstaub setzt ihr kleine glitzernde Tropfen ins Haar.

Vom nahen Kirchturm wieder und wieder das Schlagen der Uhr. Leises Flocken im Lichtkegel gegen das Grau.

Müdigkeit gräbt tiefe Furchen in die Mundwinkel, drückt schwer auf die Lider. Noch ein Blick hinüber zum Brunnen, dann schleppende Schritte durch das eiserne Tor.

 

 Eine Nacht am See

Knatternde Fahnen am Heck. In den Wanten singt der Wind seine leise säuselnde Melodie von unermesslicher Weite. Die Wellen schaukeln das Boot, schlagen gegen den Rumpf. Schmatzend rollen sie zum Ufer hin aus. Sanftes Plätschern im Schilf. Quaken, Unken, Pfeiffen, Quirren. Das Sirren der Gelsen, leises Flüstern der Binsen. Der Schrei einer Möwe, ziepende Jungvögel.

Ich döse.

Eine vom Tag vergessene Bremse brummt durch die Kabine, findet keinen Ausweg, schlägt dumpf an die Bordwand.

Jetzt bin ich hellwach.

Das Klatschen meines Handtuchs gilt ihr, trifft meinen Mann. Ein zorniger Aufschrei. Gemurmel. Er dreht mir den Rücken zu und seufzt tief. Kurze Stille.

Sein Schnarchen klingt jetzt anders.

 

Blutrot

Von hinter der Schirmakazie, die sich dornenbewehrt, dunkel und stumm  über dem gelbroten Himmel verzweigt, zieht ein letztes Aufleuchten durch die rahmenlose Öffnung, gleitet  über festgetretenes Erdreich, kriecht hoch an graubraunen Wänden aus Lehm zum fein gesponnenen Netz in der Ecke des Raumes. Dort lauert die Spinne auf eine der Fliegen, die über die Glasscherben tanzen am Ende des Tisches.

Schwach, aus stimmloser Kehle, das Wimmern. Schweiß zwischen eng geflochtenen Zopfbahnen.  Kaltbetropft die Stirn über schreckweiten Augen, weiß wie Akazienblüten, die der Wüstenwind aus der Blattnarbe löst. Sie haben es wieder getan. Das Lager mit Tüchern bedeckt, das Festkleid über den reglosen Körper gezogen. Das Rot und Gold heben sich kaum ab vom  Blut, das unter den dicht verschnürten Beinen hervorquillt. Die Schnitte werden heilen, sagen sie. Doch von den Narbenwülsten der Seele sprechen sie nicht.

Draußen rhythmisches Trommeln, Lachen der Frauen, zufriedene Stimmen der Männer am züngelnden Feuer.

 

In ihrer kleinen Faust Ohrschmuck aus Glas.